VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 17/06 vom 26.04.2006

Es ist erstaunlich, aber nicht unverständlich. Bis Tschernobyl in den Falter sickerte, dauerte es noch zwei Wochen; aber der Falter war schon am 23. April erschienen. Über die leicht verzögerten Reaktionen informieren wir Sie demnächst hier. Ein anderes Thema beherrschte die Debatte: Waldheim.

Der Bundespräsident in spe war zwar als SA-Offizier am Balkan gewesen, wollte aber von Judendeportationen weder etwas gesehen noch gehört haben. Trotzdem gab er Historikern nicht die Möglichkeit, in den Archiven aufzuklären, was sich von seinen Behauptungen überprüfen ließ und was nicht. Also machten sich junge Historiker auf, um selbst nachzusehen. Einer von ihnen, Walter Manoschek, verwies im Gespräch mit Wolfgang Weisgram auf einen dokumentierten Befehl der Heeresgruppe E, 1 c, in der Waldheim wirkte. In diesem Befehl sei der "Abschub von Juden" angeordnet wurden. Das heiße, "Waldheim muss entweder geschlafen haben oder besoffen gewesen sein, wenn er davon nichts gewusst hätte."

Auf die Frage, warum er recherchiere, sagte der Historiker: "Wir wollen das einfach dokumentarisch belegen, was da los war. Egal, was dabei rauskommt. Weil politisch - meine persönliche Meinung - weil politisch der Stand so ist, dass das alles nach hinten losgeht. (Der Falter fand es schick, Interviews sprachlich nicht zu ,glätten'.) Meiner Einschätzung nach - aber da bin ich nicht allein - wird Waldheim fünf bis zehn Prozent mehr Stimmen kriegen, als er vor dieser Geschichte gekriegt hätte." Einsichtsvolle Worte, wie wir wissen. A. T.


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