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Regelkunde

Vorwort | aus FALTER 17/06 vom 26.04.2006

Ernüchterung statt Euphorie: Die Grünen gewannen bei den Gemeinderatswahlen in Innsbruck fast sechs Prozent dazu und sind damit so stark wie in keiner anderen Landeshauptstadt - dennoch standen sie am Wahlabend vergangenen Sonntag irgendwie als Verlierer da. Schuld daran sind die Ökos selbst, die ihre Ziele wieder einmal zu hoch gesteckt hatten. Wie schon die Wiener Kollegen vergangenen Oktober, träumten die Innsbrucker Grünen von einer Sternstunde: Sie wollten stärkste Partei werden und den Bürgermeister stellen. Bei aller Liebe zur Utopie - im 22. Jahr ihres Bestehens könnten die Grünen langsam ein paar grundlegende Regeln in Wahlkämpfen intus haben. Gute Umfragewerte sind trügerisch; jeder halbwegs interessierte Zeitungsleser weiß mittlerweile, dass die Grünen dank ihres sympathischen Images bei solchen Erhebungen stets besser abschneiden als am Wahlabend. Die Wahlziele sollten ehrgeizig, aber nicht unrealistisch sein, damit sich eine Partei nicht selbst zum Loser stempelt. Und mit Regierungsämtern dürfen Funktionäre nur dann öffentlich spekulieren, wenn diese auch tatsächlich in Reichweite sind, sonst wirkt das anmaßend und machtgeil. Vielleicht lernen die Grünen im kommenden Nationalratswahlkampf aus den Fehlern, die sie schon x-mal gemacht haben. Oder sie rufen Alexander Van der Bellen zum nächsten Kanzler aus. G. J.


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