Ingenieure der Seele

Kultur | Gerhard Midding | aus FALTER 17/06 vom 26.04.2006

FILM Sie wollten die Verschmelzung von Kino und Realität und feierten die Moderne: Bei einer Retrospektive des Filmmuseums sind Arbeiten zahlreicher Regisseure des sowjetischen Revolutionskinos zu sehen.

Wie Nomaden seien sie zum Kino gekommen, sagte Dziga Vertov (1896-1954) einmal über die Filmemacher seiner Generation und fügte mit einem ahistorischen Stolz, der dem künstlerischen Reichtum des zaristischen Kinos Hohn sprach, hinzu: "Wir haben eine Leerstelle gefüllt." Wenn das Österreichische Filmmuseum seine Retrospektive des sowjetischen Revolutionskinos nun mit Vertovs nachgelassenen Filmen eröffnet, ist das nicht nur eine Gelegenheit, mit der eigenen Sammlung zu prunken. Die rigorose Programmatik dieses Regisseurs ist ein idealer Ausgangspunkt, um sich daraufhin die Vielgestaltigkeit der Epoche zu erschließen: Filme ohne Drehbücher und Dekors wollte er drehen, Kino und Realität sollten in seinen revolutionären Wochenschauen und Filmessays eine ungekannte Osmose eingehen.


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