Das neue Alt-Wien

Kultur | aus FALTER 17/06 vom 26.04.2006

FOTOGRAFIE Das Wien Museum zeigt Wienfotos von August Stauda, die die hässlichen Seiten der guten, alten Zeit nicht verbergen können.

Erschreckend arm sei der moderne Städtebauer an Motiven seiner Kunst: "Die schnurgerade Häuserflucht, der würfelförmige ,Baublock' ist Alles, was er dem Reichthume der Vergangenheit entgegenzusetzen vermag." So lautet 1889 der düstere Befund des Stadttheoretikers Camillo Sitte. An den sich explosionsartig ausbreitenden Zinshauszeilen vermisste er "die Behaglichkeit alter Städte", an den monolithischen Blöcken der neuen Ringstraße jene malerischen Details, die eben jene Behaglichkeit ausmachten: ungleiche Straßenbreiten, Freitreppen, Erker und Giebel.

Wie eine Visualisierung von Sittes städtebaulicher Nostalgie wirken die Fotografien August Staudas (1861-1928), die im Wien Museum zu sehen sind. "Wien war anders", so der Titel der Ausstellung, bezieht sich auf das vom Abbruch bedrohte architektonische Andere, das den Raumbedürfnissen der Bauwirtschaft


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