VOM GRILL

In Graz ja nicht sein ...

Steiermark Stadtleben | Mathias Grilj | aus FALTER 18/06 vom 03.05.2006

... ein Radfahrer, der verunglückt auf dem Boden liegt. Da liegt man lang und einsam. Oder jener Epileptiker, der neulich vor dem Bahnhof einen Anfall bekam. Die Passanten schauten nicht weg, sondern hin, so ein Anfall ist schließlich spannend. Sie rührten für den Kranken keinen Finger.

... ein Tramwayfahrer. Wegen der blöden Autofahrer und Radfahrer und Fußgänger und der blöden Kollegen, deretwegen ich anhören müsste, wie blöd Tramwayfahrer seien.

... ein Kind, weil meinetwegen meine Eltern - wären sie nicht reich - keine vernünftige Wohnung in der Stadt bekämen. Nur ein schamlos teures Rattenloch, wofür man letztlich reicher sein muss als Reiche. Ich hörte unentwegt das Gegacker, dass es viel zu wenig Kinder gebe - und sähe, wie man ihnen das Leben schwer macht. Noch weniger als Kind möchte ich ein Kind mit schwarzer Haut sein - und wäre ich auch voller Liebesglanz.

... das göttliche Wolferl. Kaum hat Graz den Titel "Stadt der Volkserhebung" abgeschüttelt, schon wird es zwar nicht zur juden-, aber zur "mozartfreien Zone" erklärt. Die Leutchen, denen so was eingefallen ist, kommen sich dafür regelrecht super vor.

... ein Greis. Trotz Tattrigkeit bekäme ich in der Tramway keinen Sitzplatz und müsste mich stehend fragen, ob ich zeitlebens den herumsitzenden Fleischknödeln rundum ein brauchbares Vorbild war.

Wird fortgesetzt ...


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