Liebe Leserin, lieber Leser!


Klaus Nüchtern
Vorwort | aus FALTER 18/06 vom 03.05.2006

Das Schönste am Job des stellvertretenden Chefredakteurs ist die Mutmaßung vieler, man befände sich als solcher im Besitz von Insiderwissen. Seit Wolfgang Kralicek vor einigen Monaten durchblicken ließ, den Job des Sexkolumnisten aufgeben zu wollen, werde ich bedrängt. Wildfremde Frauen hauchen mir im Hallenschwimmbad ein hysterisches "Was kommt nach Kralicek?" entgegen, der Käsemann winkt mit einer dicken Schnitte Pyrenäenziegenkäse ("Nur die Initialen!"), und unlängst flüsterte mir sogar ein ehemaliger Bundespräsident mit eisiger Mr.-Burns-Stimme ins Ohr: "Wer?" Die Schattenseite des Daseins als stellvertretender Chefredakteur liegt darin, dass ich so tun muss, als würde auch nur irgendwer das Editorial lesen, um zu erfahren, was im Blatt steht; als hätte nicht längst jede und jeder die Seite 75 aufgeschlagen und dort die Antwort auf alle Fragen gefunden: Ja, es ist eine Frau, und sie heißt Heidi List. Warum sie die Sexkolumne übernommen hat? Weil die Redaktion denkt,

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