FERNSEHEN

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 18/06 vom 03.05.2006

Unschöne Typen, die keine haben will, und sozial derangierte Heinis dürfen einmal im Leben gleichzeitig zwei Frauen anbraten: "Bauer sucht Frau" (ATVplus, Mi 20.15 Uhr) sieht der Städter gerne. Auch bei der zweiten Staffel des Sozialpornos im ländlichen Milieu kann man sich über dummdreiste Bauernschädel empören/amüsieren, die ihre zwei Kandatinnen abwechselnd straflos abtatschen oder notgeil anquatschen und das "flirten" nennen. Aber interessant, unter die Sozialfälle, die ohne Fernsehnachhilfe nie wen abkriegen würden, mischen sich jetzt mehr flotte Landeier, Marke Bauerndiscokönig. Wahrscheinlich besser für die Dramaturgie der Reality-Soap, wenn nicht nur stammelnde Einsiedler durch die Show stolpern. Die ist voll auf Peinlichkeit und Konfrontation geschnitten, alle Achtung für diesen Bauernporno. Und das Format erfüllt therapeutische Zwecke beim Stadtmenschen, der sich nach Idylle sehnt. Wir erleben einen rundum holzvertäfelten Albtraum, vollgestopft mit Kiefernmöbeln, ruralem Nippes, Schnapsflaschen, Muttis mit Gretlfrisuren, Kälbern und tristen Kaffs - da vergeht einem jede Landlust, aber echt.


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