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Kultur | Michael Rohrwasser | aus FALTER 18/06 vom 03.05.2006

FREUD IM KINO So begierig sich der Film auf die Figur des Analytikers stürzte, so abweisend blieb Freud dem Kino gegenüber. Hätte er die TV-Serie "The Sopranos" gesehen, hätte er wohl weniger Bedenken gehabt.

Freud, der sich in der "Traumdeutung" einen "Bücherwurm" nennt, war ein leidenschaftlicher Leser, aber zum Kino wahrte er entschiedene Distanz. Das ist umso bemerkenswerter, als dort sofort eine Rezeption der Psychoanalyse stattfand - und vielleicht die nachhaltigste. Gewiss empfand Freud das Kino als ein Konkurrenzsystem, denn schließlich war er es, der sich im analytischen Verfahren seinen Patienten zur Projektion anbot. Es könnte aber auch damit zu tun haben, dass die Bilder, die der expressionistische Film von der Psychoanalyse entwarf, kaum Freuds Selbstverständnis entsprachen, nicht zuletzt, weil sie an eine vergessene Vorgeschichte erinnerten, die mit Mesmerismus, Suggestion und Hypnose verbunden war. Der Arzt oder Scharlatan mit den Zügen eines Psychoanalytikers erscheint


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