Play It Again, Sigmund

Andreas Mayer | Kultur | aus FALTER 18/06 vom 03.05.2006

KOMMENTAR Die Freud-Feiern bescheren uns vor allem kommerzielle Konditorkünste und ein fragwürdig idealisiertes Bild der Naturwissenschaften.

Sigmund Freud mochte keine Geburtstagsfeiern. Zumindest sieht er auf dem erhaltenen Amateurfilm von einer Familienfeier immer ein wenig griesgrämig drein. Man kann es verstehen. Nachdem Mozart ja seit Jahrzehnten in Form von süßen Kugeln existiert, hat man es heuer endlich geschafft, auch der Psychoanalyse eine ansprechende kommerzielle Verpackung zu verleihen. In Berlin hat man nun das zuwege gebracht, was man nur in Wien für möglich gehalten hätte, nämlich Freuds Leben und Wirken in einer Ausstellung (des Berliner Jüdischen Museums) auf einer riesigen Geburtstagstorte zu präsentieren - eine Verkitschung und Verniedlichung, die all das Unbequeme und Anstößige tilgt, das Freud ohne Unterlass auf die Fahnen seiner neuen Wissenschaft geschrieben hatte.

Weitaus seriöser nehmen sich die Geburtstagsgrüße aus dem Hause Fischer aus. Die Freud-Editorin

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