Potter im Münsterland

Paulus Hochgatterer | Kultur | aus FALTER 18/06 vom 03.05.2006

LITERATUR Sehr autobiografisch und sehr lang: Paul Ingendaays Adoleszenz-und Internatsroman "Warum du mich verlassen hast".

Was dieses Buch kennzeichnet, wird glücklicherweise schon auf der ersten Seite deutlich. Es möchte sein wie Salingers "Der Fänger im Roggen", erinnert stellenweise aber mehr an "Harry Potter". Dem Leser wünscht man, dass er dieses Maskenspiel mag, dem Autor in erster Linie, dass es sich in den Verkaufszahlen entsprechend niederschlägt. Außerdem ist "Harry Potter" ja wahrhaft keine schlechte Literatur.

Die Geschichte beginnt damit, dass Marko Theunissen, der adoleszente Ich-Erzähler, den Leser ganz in Holden-Cauldfield-Manier anspricht: "Dass etwas mit mir nicht stimmte, merkte ich daran, dass ich wieder diese Träume hatte. Ich werde sie euch nicht erzählen. Nur so viel, damit ihr ein Bild habt." Natürlich erzählt er uns dann diese Träume, natürlich geschwätzig wie Holden Cauldfield, und prompt hat man ein Bild. Es zeigt Schwester Gemeinnutz, die geistliche

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