Fragen Sie Frau Andrea

My Darling Mum

Stadtleben | aus FALTER 18/06 vom 03.05.2006

Liebe Frau Andrea,

wenn ich mich richtig erinnere, hat Prinz Charles anlässlich des 80. Geburtstags seiner Mutter Queen Elizabeth II. diese mit der berührenden, aber doch recht seltsamen Floskel "My Darling Mum" angesprochen. Geht das nicht ein bisschen zu weit? Fragt sich

Hedi Zurbriggen, Salzburg

Liebe Heidi,

über die innerfamiliäre Etikette der Windsors sind keine radikalen Auffälligkeiten bekannt, sieht man davon ab, dass die regierende Königin ihre Familie generell als "Firma" bezeichnet und Sohn Charles sich telefonisch schon mal als Tampon seiner Dauergespielin Camilla Parker-Bowles, geborene Shand, geoutet hat. "My Darling Mum" sollte uns also nicht schockieren, die Anglosachsen sprechen von ihren teuren Müttern gerne als Schätze. In Wien würde ein Prinz von seiner königlichen Mutter wohl als "Töuerste Maman" sprechen, die Betonung auf dem letzten "a" mit einem leicht nasalen Hauch ausklingen lassen, um der mütterlichen Koseformel ein wenig, aber nicht zuviel französische Note zu verleihen. Angehörige unblaublütiger Stände sprächen bei Muttertags-und Geburtstagsempfängen im kleinen Kreise wohl von der "Mamtschi", der "Mahma" oder wie Pepperl Holzschuh bei uns im Zweiten von der "Muatta". Wahlweise ließen sich diese Anreden in Gedichten mit "lliabe", "lleiwande" und "unendllich gelliebte" versüßen. Ein Karli Prinz aus der Siebenbrunnengasse würde seine Mutter Lisi vermutlich mit der Muttertagsbegrüßung "Mene töre Mutta!" bedenken.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige