SPIELPLAN

Steiermark Kultur | Gregor Schenker | aus FALTER 19/06 vom 10.05.2006

Schwarz, weiß, Feld für Feld. Als Schachbrett der Gefühle präsentiert sich die Bühne (Ausstattung: Johannes Schedl) im Grazer Next Liberty bei der letzten Premiere dieser Saison.

Ein roter Stuhl steht da, eine rote Tastatur, eine rote Trinkflasche. Sonst gehört die Bühne ganz allein der 14-jährigen Fritzi (Beatrice Boca) und ihrem roten Stanleymesser.

"Ritzen" heißt das Stück, das der oberösterreichische Autor Walter Kohl zum Problemthema Selbstverletzungen verfasst hat. Problemstücke sind ja immer problematisch. Ein Problem, egal, ob Sektenhörigkeit, Magersucht oder Gewalt in der Schule, ist noch kein Stück. Viele Autoren scheitern daran, alles aus dem Problemkomplex in ihr Werk hineinpacken zu wollen, und vergessen dabei, etwas zu erzählen. Walter Kohl unterläuft dieser Fehler nicht. Im Gegenteil. Der etwa siebzigminütige Monolog basiert auf Aussagen einer jungen Frau, die unter einer Borderline-Störung leidet und sich selbst Schnittwunden zufügt. Kohl hat mit ihr gesprochen.


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