VOM GRILL

Von schlappen Parisern

Steiermark Stadtleben | Mathias Grilj | aus FALTER 19/06 vom 10.05.2006

Nun haben sie in Paris, an der Comédie Française, Peter Handkes "Spiel vom Fragen" abgesetzt. Schandbeutel. Sie begründen ihre Entscheidung mit Handkes Auftauchen beim Begräbnis von MilosÇevic´ und mit seiner Rede in Belgrad. Ich kenne das Stück und halte davon nicht viel. Ich kenne auch die Rede und halte davon noch viel weniger. Nicht zum ersten Mal fragte ich mich betreten, ob Handke - den ich in meiner Schülerzeit geradezu verehrt habe - nicht von allen guten Geistern verlassen sei. Dass ein trauriges Kind eines Nazisoldaten sich einen anderen Vater wünscht, ist verständlich. Dass es ihn jedoch just in MilosÇevic´ zu finden glaubt, ist tragisch. Und dass es dies hinausposaunt, ist zwar konsequent, aber widerlich. Es geht auf Kosten der Opfer, es geht auch auf Kosten des traurigen Kindes.

Aber! Wenn ein Theater ein vor 25 Jahren geschriebenes Stück auf seinen Spielplan setzt und dann plötzlich, weil der Dichter politisch nicht genehm erscheint oder sonst irgendwie suspekt wird, wieder absetzt, dann ist es eine ebenso verworfene wie verwerfliche Anstalt. Die politisch korrekten Schleimsäcke haben Voltaire nicht gelesen. Der meinte in einer Debatte, nicht der Meinung seines Gegenübers zu sein. Aber er würde sein Leben darum geben, dass dieses Gegenüber sie äußern könne.

Ihr Comédie-Komödianten: Setzt sofort die Proben an!


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