VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 19/06 vom 10.05.2006

Waldheim. Waldheim, Waldheim. Seitenweise Waldheim. Nicht von ungefähr, denn aus den Pro-und Contra-Campaigns stieg der Slogan aller Slogans: "Wir Österreicher wählen, wen wir wollen!" 1986 war innenpolitisch gesehen kein segensreiches Jahr. Der Schriftsteller Franz Schuh führte mit Ivan Hacker, damals Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, ein großes Gespräch über den aufkommenden Antisemitismus und "das Judentum in der Waldheimat".

Franz Schuh: "Jetzt würde ich ganz gern fragen, was ist denn das, der Antisemitismus?" Ivan Hacker: "Nach meiner Meinung geht es nicht nur um Antisemitismus, sondern um einen Fremdenhass in Österreich. Ich war z.B. dieser Tage in der Oper, jemand hatte sich von seinem Platz weit vorgebeugt, sodass der hinter ihm Sitzende nichts sehen konnte. Er hat den Billeteur gerufen, dass der verbieten soll, sich so weit vorzubeugen. Darauf kommt der Billeteur, zu meinem großen Erstaunen, auf diesen Herrn zu, der neben mir sitzt und der sichtlich Japaner ist, und sagt ihm: "Ja was glauben Sie, so können Sie sich in Tokio benehmen, was stellen Sie sich vor" und ist auf den losgegangen, weil der Japaner ist. Er hätte sagen können, bitte passen S ein bissel auf, der andere will auch was sehen, aber was dort losgegangen ist, war unwahrscheinlich (...) das ist eingefleischt, dieser Fremdenhass, und besonders ist es dann der Jud. Was ich jetzt Telegramme bekomme, was ich jetzt Briefe bekomme. Ich fürcht mich vor gar nichts, wer so viel mitgemacht hat wie ich, fürchtet sich vor gar nichts mehr." A. T.


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