Würg

Vorwort | Armin Thurnher | aus FALTER 19/06 vom 10.05.2006

SEINESGLEICHEN GESCHIEHT Andächtige Nachbetrachtungen zur Bawag-Krise und deren kanzlermäßiger Bewältigung.

Mehr privat, weniger Staat. Das ist das zentrale Motto der Regierung Schüssel, und sie handelt genauso lange danach, als sie es für opportun erachtet. Bei Bedarf tut sie das Gegenteil. Ein staatlicher Eingriff hat die Bawag bekanntlich in letzter Minute vor dem Konkurs gerettet. Die Umstände sollen dramatisch gewesen sein, das Verhandlungsgeschick des Kanzlers zeigte sich spätabends im Kanzleramt beim grellen Licht einer auf grünen Filz scheinenden Lampe. Fassungslos berichteten Banker, die dabei waren, sie seien sich vorgekommen wie im falschen Film.

Der Film war aber der richtige, es ist immer spätabends im Kanzleramt, wenn Krise ist. Normalbetrieb herrscht dort während der Bürozeiten. Der Kanzler, der es besser findet, den Marktkräften freien Lauf zu lassen, solange er sie bändigt, sagte den Bankern, was sie zu tun, und den Gewerkschaftern, was sie zu lassen hätten.


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