STANDPUNKT

Mut fürs Match

Politik | aus FALTER 19/06 vom 10.05.2006

Super-Gau, Katastrophe": Die vergangene Woche gab auch den letzten Optimisten in der Gewerkschaft den Rest. Der ÖGB musste sich dazu verpflichten, den bisher geheimen Streikfonds offen zu legen (siehe Seite 8). Verlieren die Arbeitnehmervertreter damit ihre Kampfkraft, weil die Regierung nun kalkulieren kann, wie lange der Gegner im Ernstfall durchhält? So schlimm muss es nicht werden. Im streikfaulen Österreich wird das Match zwischen Regenten und Gewerkschaft nicht auf der Straße, sondern im Wettstreit der Argumente entschieden. Das könnte dem wankenden Riesen Mut geben, denn voreilig abgeschrieben wurde er schon oft. Nach einem Privilegienskandal im Jahr 2001 prophezeite etwa der Kurier dem ÖGB und seinem "lahmen" Präsidenten Fritz Verzetnitsch den Untergang. Zwei Jahre später rief das Blatt Ver-zetnitsch und dessen Wirtschaftskammer-Partner Christoph Leitl "zur modernen Version der Legenden Benya und Sallinger" aus. Das Langzeitgedächtnis des Publikums ist eben schwach ausgeprägt. Nach Monaten des Leidens könnte selbst der Gewerkschaft ein Neustart gelingen - wenn sie diesen auch symbolisch durchzieht. ÖGB-Boss Rudolf Hundstorfer sollte deshalb mit eisernem Besen kehren. Und entgegen seinen Plänen das aufgeräumte Haus nächstes Jahr an einen jungen Nachfolger übergeben. G. J.


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