Fragen Sie Frau Andrea

Rückentitel

Stadtleben | aus FALTER 19/06 vom 10.05.2006

Liebe Frau Andrea,

die Buchrücken der meisten deutschen Bücher werden von unten nach oben beschriftet. Wenn man diese Bücher mit der Vorderseite nach oben flach hinlegt, kann man den Titel am Rücken von der Seite nicht lesen, weil er auf dem Kopf steht. Die Rücken englischer Bücher hingegen sind immer von oben nach unten beschriftet. Welche Geschichte hat die Beschriftungsrichtung? Wieso können sich die Verlage nicht auf eine praktische Richtung einigen?

Thomas Palfinger, Internet

Lieber Thomas,

das Phänomen der unterschiedlich laufenden Buchrückenbeschriftungsrichtungen ist längst auch in die Covergestaltung von CDs und DVDs ausgebüchst. Wie in der Gutenberggalaxis gibt es auch hier zwei Richtungsideologien, die angelsächsische und die nichtangelsächsische. Englischsprachige Rückentitel sind liegend besser zu lesen, die des Rests der literaten Welt - voran deutschsprachige wie frankofone - stehend, im Regal. Das hat seinen Grund in der anatomischen Präferenz von Rechtshändern, gestürzte Titel von unten nach oben zu schreiben (und deshalb auch so zu lesen). Der Grund für die Richtungsdivergenz in der anglofonen Welt? "It's the economy, stupid", hätte es der Bill Clinton blumig ausgedrückt. Englische und amerikanische Literatur wird in Buchhandlungen in Stapeln ausgelegt. Beim liegenden Exemplar muss auch der Rückentitel gut lesbar sein. Auf die Kopfneigungen mehrsprachiger Leser nimmt diese Verkaufsstrategie angelsächsischer Buchverlage allerdings keine Rücksicht.


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