VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 20/06 vom 17.05.2006

Zu Waldheim hatte das Editorial drei Fragen: Was ist verabscheuungswürdiger: a) ein Opportunist auf der Regierungsbank, b) ein Opportunist als Bundespräsident? Wer ist glaubwürdiger? a) Blecha pro Peter? b) Blecha contra Waldheim? Welches Argument ist überzeugender: a) "Ich habe als Soldat nur meine Pflicht getan" (Präsidentschaftskandidat Kurt Waldheim), b) "Ich habe als Soldat nur meine Pflicht getan" (SS-Offizier Walter Reder). Außerdem arbeite der Falter "an einem neuen grafischen Konzept. Erstes Teilergebnis: das Titelblatt, wie immer gestaltet von der AG Normdesign."

Im Blattinneren führte ein Lehrer namens Prof. Arthur Kupfer unter dem Titel "Wir Kinderschänder. Zur Diagnostik des österreichischen Lehrers" ein "Plädoyer für den Rohrstock". "Lehrer lehren nicht das, was Resultate der Geschichte ihres eigenen Bildungswegs sein könnten. Sie vermitteln lediglich in verdünnter Form ein Wissen, das außerhalb von ihnen produziert worden ist. Sie sind, mit einem Wort, Distributionsagenten von Bildungsgütern. Und wie im Feld der reinen Ökonomie der Händler, der etwas vertreibt, das nicht er produziert hat, mit dem Odium des Marktschreiers, des unlauteren Vertreters, des geheimen Verführers behaftet ist, so auch im Reich der Bildung. Da junge Lehrer heute nichts dabei finden, mit den abgeschmackten Methoden der Werbepsychologie ein Wissen, das sie sich selbst nur oberflächlich aneignen konnten, wie eine Ware an den Mann, sprich Schüler zu bringen, das sagt alles über den Stand des Geistes heute. Allerdings: Die anrüchige, weil letztlich dienende Rolle des so immer fremdbestimmten Vermittlers ist dem Lehrer eingeschrieben durch alle Geschichte, vom antiken Haussklaven bis zum neuzeitlichen Hofmeister. Schon Augustinus höhnte, dass kaum jemand so dumm sein werde, seinen Sohn in die Schule zu schicken, damit dieser lernt, was der Lehrer denkt." A.T.


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