Hugo, der Boss

Politik | Gerald John | aus FALTER 20/06 vom 17.05.2006

SOZIALISMUS Er nennt Bush ein Arschloch, schwingt endlose Reden und kommt immer zu spät: Hugo Chávez ist der neue Liebling der Linken. Tausende wollten in Wien erleben, wie ihr Idol eine Revolution anzettelt - und hörten nur platte Parolen.

Der Mann erinnert ein bisschen an den späten Muhammed Ali. Behäbig klettert er aus der Limousine, apathisch blinzelt er in die Blitzlichter. Doch dann der überraschende Haken. Der Star drängt seine Bodyguards zur Seite und klettert unter der Absperrung durch. Ein Knäuel aus Reportern, Leibwächtern und Kiebitzen stolpert hinterher, als er auf die brüllenden Fans zuschreitet, die drei Stunden lang auf diese dreißig Sekunden Glück gewartet haben. Ein Mädchen jauchzt: "Ich hab ihm die Hand gegeben!" Ein anderes kreischt: "Ich hab ihn sogar umarmt!"

Es ist kein Robbie Williams, der an diesem Nachmittag im Hilton Danube Hotel eincheckt, und auch kein David Beckham, der für die Sponsormillionen eines Sportschuhkonzerns eine Werbevisite in Wien einlegt.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige