Angeschwemmte Leichen

Robert Misik | Politik | aus FALTER 20/06 vom 17.05.2006

POLITISCHES BUCH Die Journalistin Corinna Milborn beschreibt in einer eindrucksvollen Großreportage die Abschottung Europas gegen Flüchtlinge.

Badeurlaub am Mittelmeer kann heutzutage mit einem gewissen Unbill verbunden sein: Gut möglich, dass morgens am Strand die angeschwemmte Leiche eines Afrikaners herumliegt. Bisweilen treiben Schlauchboote vorbei, in denen Verdurstete liegen. Oder es kommt ein überladener rostiger Kutter daher, der seine halbverhungerte menschliche Fracht glatt an der Küste absetzen würde, triebe ihn die italienische Marine nicht wieder aufs Meer zurück. Laut offiziellen Zahlen sind in den vergangenen zehn Jahren 6366 Menschen beim Versuch umgekommen, nach Europa einzuwandern - neunzig Prozent auf See. Das Rote Kreuz schätzt, dass nur jeder dritte Tote gefunden wird, man geht von 20.000 Toten seit Mitte der Neunziger aus.

Man weiß das alles - irgendwie. Und man weiß es irgendwie auch nicht. Der Horror bleibt im toten Winkel, die Verzweifelten, die sich etwa

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