PRESSESCHAU

Medien | Gerald John | aus FALTER 20/06 vom 17.05.2006

Rainhard Fendrichs Koks-Affäre ist für Journalisten eine kreative Herausforderung: Wie baue ich in einen Artikel möglichst viele Zitate aus Fendrich-Texten ein, die zur misslichen Lage des Austropoppers passen? News braucht zwei Absätze bis zum ersten Gag ("Erfolg ist nicht mehr als eine ,Reifenspur im Sand'") und legt mit dem Hinweis nach, der Sänger brauche ein "Herz wie ein Bergwerk". Eleganter stellt die Presse fest, dass Fendrich laut seiner Debütplatte "nie einer von denen sein" wollte, aber genau einer von jenen wurde, mit denen er vor 25 Jahren so bitter abrechnete. Da Fendrich selbst dafür sorgen wird, dass die Medien die Causa breitwalken, sind Anspielungen keine Grenzen gesetzt. "Vü, vü schöner ist das G'fühl" bietet sich für Reminiszenzen an die geilsten Trips an, "Manchmal denk i no an di" für einfühlsame Reportagen aus dem neuen, harten Leben ohne Droge. Lustig, dass Fendrich bei dem Spaß mitmacht. In der Krone verkauft er sein geflopptes Musical "Wake Up" als Aufschrei: "Wenn jemand genau hinhört, steht dort bereits alles geschrieben." Das will sich freilich wirklich niemand antun.


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