NÜCHTERN BETRACHTET

Manchmal laufe ich auch morgens

Kultur | aus FALTER 20/06 vom 17.05.2006

An sich bin ich ja Abendläufer. Meine Lust-und Leistungskurven erklimmen erst relativ spät den MMP (maximum motivation peak). Wenn die einheimischen Laufveranstalter auf Typen wie mich Rücksicht nähmen, begänne kein Marathon vor 19 Uhr, und ich würde in der Klasse der biertrinkenden und spargelverzehrenden Fortysomethings, die mehr CDs von Stephen Stills als von Neil Young besitzen, einen gewaltigen Sprung nach vorne machen. Dem steht freilich der Umstand entgegen, dass ich an sich auch Gastgartensitzer bin - eine Tätigkeit, die sich mit Abendläufen ausgesprochen schlecht verträgt. Nach dem dritten Bier rückt der MMP doch weit, weit weg, in etwa so weit, wie ein Arbeiter auf den Zahnseideranches von Montana reiten müsste, um zur nächsten Vinothek zu gelangen, die über mehr als drei Sorten Veltliner verfügt (dieser infrastrukturelle Nachteil hat die montanaische Zahnseidefabrikation übrigens in den letzten zehn, 15 Jahren weit zurückgeworfen). Diese Interessenkollision führt


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