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Kultur | Wolfgang Kralicek, Carsten Fastner | aus FALTER 20/06 vom 17.05.2006

Vor vier Jahren war bei den Wiener Festwochen Frank Castorfs Dramatisierung des Romans "Der Meister und Margarita" zu sehen. Wer sich damals nicht ausgekannt hat, kriegt jetzt im Kasino des Burgtheaters eine neue Chance: Die Fassung von Regisseur Niklaus Helbling und Dramaturg Sebastian Huber ist kompakter (zwei Stunden) und leichter verständlich als Castorfs Version. Michail Bulgakows Roman aus den Dreißigerjahren ist eine tolle Mischung aus Literatursatire und Politparabel; die Hauptrollen spielen ein Schriftsteller, der an einem Roman über Pontius Pilatus schreibt, und der Teufel, der die Moskauer mit drastischen Mitteln von der Existenz Gottes überzeugen will. Aus einer dazu erfundenen Rahmenhandlung heraus entwickelt sich im Kasino eine verspielte Aufführung, in der ein kleines Ensemble (sechs Schauspieler, ein Musiker) lustvoll in die theatrale Trickkiste greift. Ein netter Reader's-Digest-Abend, der vermutlich ein bisschen mehr sein wollte. Übrigens: Wenn Sie der Teufel bittet, ihm zehn Euro zu leihen, tun Sie's. Es wird nicht Ihr Schaden sein.

Wer sich derzeit in der Kammeroper nicht auskennt, muss sich nicht weiter darum kümmern: Wolfgang Mozart selbst war mit Giovanni Varescos wirrem Libretto von "L'oca del Cairo" (bis 3.6.) so unzufrieden, dass er 1783 die Arbeit an dieser Opera buffa um einen leidenschaftlichen Sammler und eine Skulptur aus dem Besitz Kleopatras kurzerhand abbrach. Nicola Raab inszenierte fürs Wiener Mozartjahr eine Vervollständigung des britischen Komponisten Stephen Oliver, der die wenigen Fragmente gekonnt ausinstrumentiert und geschickt in seiner eigenen, zeitgenössischen Musiksprache ergänzt hat. Der Klamauk im Stile der Commedia dell'Arte bietet nicht nur die Möglichkeit, ein paar tolle Mozartraritäten kennen zu lernen, sondern mit Berit Barfred-Jensen auch eine sängerisch wie schauspielerisch sehr überzeugende junge Sopranistin. Was genau nun mit der "Gans von Kairo" geschieht, ist dabei letztlich egal.


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