Fragen Sie Frau Andrea

Engstellenstehen

Stadtleben | aus FALTER 20/06 vom 17.05.2006

Liebe Frau Andrea,

seit längerer Zeit fällt mir ein rätselhaftes Verhalten auf: Im U-Bahn-Ausgang Schottentor zur Uni ist es recht eng, dafür ist im "Jonasreindl" danach recht viel Platz. Immer wieder nützen Personen den engen Teil, um in kleinen Gruppen ihre Ferien oder was weiß ich zu diskutieren. Warum? Ist es ein Wunsch nach Kontakt mit allen Mitmenschen, den sie dadurch ausdrücken?

Mit freundlichen Grüßen, Gregor Birkhan, Internet

Lieber Gregor,

das Stehen in Gruppen ist so alt wie die Menschheit und daher auch im Weichbild Wiens anzutreffen. Bei dem von Ihnen beobachteten Staustehen in Engstellen treffen zwei Phänomene aufeinander. Das eine ist unser natürliches Bedürfnis, eine Wand im Rücken zu haben. Kommunikation von Menschen mit Wänden im Rücken führt in Engstellen automatisch zum Engstellensteheffekt. Eine Win-win-Situation, die wir auch von Partys kennen, wo Wohnzimmer oft apern, Gänge aber stets vollgerammelt sind. Auch das Küchenvollstehen und das Kinoeingängeverstopfen zählen zu den Auswüchsen dieser menschlichen Verhaltensauffälligkeit. Das andere Phänomen, mit dem wir es hier zu tun haben, ist die Tatsache, dass enge Gänge schon aus architektonischen Gründen schneller vollgestellt sind als weite. Untersuchungen zur Leerung großer Hallen haben gezeigt, dass weniger Menschenstaus entstehen, wenn sich Ausströmende an knapp vor den Ausgängen stehenden Säulen verwirbeln. Engstellenstehende scheinen dies intuitiv zu wissen.


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