PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Saal und dirty Management gebraucht

Stadtleben | aus FALTER 20/06 vom 17.05.2006

... denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe ..., dass ihr euch aufmacht ...

Joh 15,9-17 (Evangelium am 6. Ostersonntag im Lesejahr B)

Fünf Jahre lang also trat ich im Stadnikow auf, jeden Dienstag, nie fiel ich aus, 190 Abende vor leerem Keller, der arme Spielmann, nur am 11. September 2001 ging ich nicht hin, rief die Frau Stadnikow an, die noch nichts wusste und fast böse war, als ich ihr sagte, da ich ja alles in meine Gedanken zöge, live dort unterm Café Prückel, 190 Dienstagabende hindurch, kamen fünf Leute im Durchschnitt. Und die Frau Stadnikow saß an der Kasse, und wir hatten fünf Programme, jedes Jahr eines, einmal ließ ich mich peitschen, und der hellste Kopf der Hergetröpfelten wurde mit zehn Euro bestochen, mittendrin, wenn es am saftigsten ist, möge sie oder er eben auf die Bühne drängen und von der Berühmtheit unter der Peitsche ein Autogramm erbitten, sodass Werner und Manuel dienern mussten, das Peitschen unterbrechen, das Vorhängeschloss von der Berühmtheit aufsperren, damit sie, also ich, das Autogramm geben konnte. Das trieb ich die letzten fünf Jahre, wie gesagt vor tausend Leuten, die das unter Mühen in den Theaterspiegeln der Blätter sich heraussuchen mussten, denn es gab keine Plakate, nie konnte das Fernsehen berichten, denn es war doch zu peinlich. Und die Dagewesenen verschwiegen allen, gekommen zu sein. Sie lagen danieder. Tex nennt es "fremdschämen". Und die Schwulen nennen es "Restlblasen", wenn du um fünf Uhr früh durch die Labyrinthe irrst, um wenigstens irgendeinen zu finden, der dich prügelt, während du ihm einen bläst auf Knien. Das ist doch ein Lebenswerk, die vielen Jahre unerhört!

Und nun ist Frau Stadnikow in Konkurs gegangen, wurde gerichtlich geräumt und aus dem Keller vertrieben und musste schließen. Der Keller steht leer, ich saß noch ein halbes Jahr, bis Ende Feber, vor der Tür, doch umsonst, es ereignete sich das Wunder nicht, niemand gründete eine Gruppe "Augustin", das der von Stella Kadmon gegründete heilige Spielort, wo sie also im November 1931 ihren "Lieben Augustin" gründete und von den Nazis vertrieben wurde und nun im Grab rotieren würde, wenn sie wissen könnte, dass ich, fett und nackt, lüstern in Striemen auf dieser selben Bühne hing. Und nun Gott sei Dank hinausgeschmissen, also das Nichts genieße. Es wird also jetzt bald ein Jahr sein, dass das Stadnikow schloss, weil wirklich alles zu Ende ist nun. Aber die Zeit ist fortgeschritten und gehört von uns Religiösen evaluiert. Die Herbergssuche, der Rosenkranz!

Und also habe ich circa zehn neue Spielorte zart angewinselt, ob ich mein Treiben fortsetzen könnte, und ich finde keinen Saal, denn es muss ein respektabler Saal sein, und ich finde keine durchgeistigte Managerpersönlichkeit, die sich einzufühlen verstünde und die Finger wund wählte durch Europa, damit wir drei, der Geprügelte und die beiden Mechaniker Manuel Bräuer und Werner Hofmeister, eingeflogen werden könnten, damit dann kein Gepränge stattfände vor dem verhüllten Publikum.

Und winsele all die Jahrzehnte: phettberg@phettberg.at.

Die ungekürzte Version des "Predigtdientes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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