Beckett ist tot

Hermann Götz | Steiermark Kultur | aus FALTER 20/06 vom 17.05.2006

THEATER Ernst M. Binders "Beckett. Silence" ist eine vieldeutige Rede vom Schweigen vor dem Tod. Mit Zwischentönen von Widerhofer und Horn, sowie einem Epilog von Josef Klammer.

Dass Luther im Johannesevangelium den "Logos", der am Anfang steht, als "Wort" deutet, ist eigentlich ja eine sehr eigenwillige Übersetzung. Allerdings macht dieser Eigenwille ein weiteres Übersetzungsproblem wett, das ebenfalls im Zentrum der christlichen Terminologie steht: Der heilige "Geist", früher einmal auch als "Odem" bezeichnet, erzählt heute von sich aus nichts davon, dass er, seiner Herkunft nach, dem Lebensatem ebenso verwandt ist wie der Inspiration. Für sein in der Grazer Dominikus-Kapelle (in der Andrä-Kirche) inszeniertes Drama "Beckett. Silence" hat der Grazer Theater-Monolith Ernst M. Binder sich in die assoziative Weite dieser biblischen Übersetzungsspiele gesetzt. Und sie noch erweitert oder "konkretisiert" (wenn er etwa die Frau als "Mund" benennt und auftreten lässt). Da kehrt auch

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