Der fromme Auhirsch

Peter Huemer | Medien | aus FALTER 21/06 vom 24.05.2006

NACHRUF Vergangene Woche starb Günther Nenning, einer der bedeutendsten Journalisten Österreichs, der sich lange Zeit auf dem schmalen Grat zwischen Journalismus und Aktionismus bewegte.

Günther Nenning war einer der bedeutendsten und wichtigsten Journalisten der Zweiten Republik. Jene Falter-Leser, die erst Ende dreißig sind und nur Nennings Wirken in den vergangenen zwei Jahrzehnten kennen, werden diese Behauptung absurd finden. Und dennoch stimmt sie. Es geht um ein Lebenswerk. Nenning ist 84 Jahre alt geworden.

"Volksverbunden" sei er gewesen, meinen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) und SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer unisono in ihren Nachrufen. Mag sein, dass das für den ganz späten Nenning sogar zutrifft. Es ist trotzdem eine Gemeinheit. Günther Nenning war in seiner großen Zeit von den Sechzigerjahren bis Mitte der Achtziger ein brillanter Intellektueller, enorm gebildet, couragiert und polemisch, und alles eher denn "volksverbunden". Lächerlich hätte er das Wort gefunden.

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