Moderne Sklaven

Kultur | Carsten Fastner | aus FALTER 21/06 vom 24.05.2006

FESTWOCHEN Peter Sellars gelingt eine Aktualisierung von Mozarts Singspielfragment "Zaide".

Den begeisterten Schlussapplaus nehmen die Darsteller hinter Gitter entgegen. Peter Sellars hat Mozarts Singspielfragment "Zaide" (1779) aus dem türkischen Serail in eine schäbige Hinterhof-Textilfabrik irgendwo in den USA verlegt; die Liebesgeschichte zwischen zwei Sklaven, der Türkin Zaide und dem Christen Gomatz, spielt im Jugendstiltheater auf einem Baugerüst mit rostigen Gitterstäben (Bühne: George Tsypin).

Die Botschaft ist nicht zu übersehen - und wird von Experten am Beginn der Aufführung auch noch ausformuliert: Sklaven gibt es heute noch, auch bei uns - etwa als Asylwerber, die nur illegal arbeiten können und dabei bis aufs Blut ausgebeutet werden.

Diese Aktualisierung der Mozart'schen Sklavenromanze passt bestens in Sellars' Grundthese, die er auch für sein Festival New Crowned Hope im November ausgerufen hat: Mozart ist für ihn Freiheitskämpfer, Multikultiaktivist, politischer


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