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Carsten Fastner | Kultur | aus FALTER 21/06 vom 24.05.2006

Verlust ist keine Ausnahme für die italienische Post", schrieb Rainer Maria Rilke 1903 in einem Brief. Dem italienischen Komponisten Salvatore Sciarrino (geboren 1947) diente die ebenso schnöde wie fein formulierte Feststellung als textliche Grundlage für ein knapp dreiminütiges Flirren und Zirpen einer Geige, schattenhaft angedeutet nur, wie ermattet von großer Hitze.

Dieses und zwölf weitere kurze Textfundstücke, auf Mauern geschmiert oder in philosophischen Traktaten formuliert, fasste Sciarrino in einem rund 45-minütigen Miniaturenzyklus für Bariton und kleines Solistenensemble zusammen. "Quaderno di strada" heißt er, ein "Notizheft der Straße", das keine klassische Vertonung sein will, sondern aus dem Notierten poetische Momentstimmungen gewinnt, losgelöst von jedem Zusammenhang, ganz in sich selbst ruhend. Wer diese filigrane Musik in der sensiblen Wiedergabe durch Bariton Otto Katzameier und das Klangforum Wien unter Sylvain Cambreling (Kairos/Harmonia Mundi) hört, wird

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