Fragen Sie Frau Andrea

Apern

Stadtleben | aus FALTER 21/06 vom 24.05.2006

Liebe Frau Andrea,

in Ihrer letzten Kolumne fand sich der Satzteil: "... wo Wohnzimmer oft apern, Gänge aber stets vollgerammelt sind". Danke für das Erinnern des schönen Wortes "apern" und bitte um Aufklärung: Ist "apern" hier ein Eigenschaftswort oder handelt es sich um ein mir bisher unbekanntes Zeitwort ("Mein Konto apert seit Jahren dahin!", "Nach dem Konzert aperte sich die Halle in Windeseile" etc.)?

Mit freundlichen Grüßen,

David Wagner, Linz

Lieber David,

strenggenommen hätte sich die beschriebene Situation im Hochgebirge oder zumindest in einer schneereichen Gegend abspielen müssen, denn das Wörtchen aper bedeutet eigentlich das Fehlen von Schnee. Apere Hänge sind grün und haben ihre weiße Pracht dem Aperwind, dem Tauwind oder Föhn mit auf den Weg gegeben. Tauende Gletscher gefallen sich darin, die eine oder andere Gletscherleiche auszuapern. Das Wort "aper" ist oberdeutsch und kommt vom lateinischen apertus, "offen", und dem Verb aperire, "sich öffnen", "frei werden", "entblößen". Der Aper ist im Lateinischen aber auch das Wildschwein, er läuft bei uns heute noch als Eber durch die Gegend. Etwas um die Ecke gedacht könnten apernde Wohnzimmer in Fußballweltmeisterschaftszeiten auch was anderes bedeuten, den Zustand höchster, geradezu eberhafter Virilität nämlich. Ob die elegante Fußballgazelle Ronaldinho solche Apereien hervorrufen kann, sei dahingestellt, Inselbriten trauen wir das Ebern allemal zu.


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