VOM GRILL

Gegen Stammtischgegner

Steiermark Stadtleben | Mathias Grilj | aus FALTER 22/06 vom 31.05.2006

Das Radio erzählte mir neulich, man hätte zu Wien ein "Argumentationstraining gegen Stammtischparolen" entwickelt. Das hat mich ziemlich zornig gemacht. Man stellt den Stammtisch einfach so als Hort der Dumpfheit, Stumpfheit, Xenophobie, von Ressentiment und von Rassismus hin. Beim Stammtisch, zu dem ich in Graz gern gehe, gedeiht das nicht. Zu uns dürfte sich kein einziger Haiderlopatkastrachegudenusstadler setzen. Deren Parolen mögen wir nicht.

Unsereins nimmt das eine oder andere Bier und gibt in trauter Runde - zu der immer wieder neue Leute stoßen - Erfahrungen, Gedanken, Fragen und Schwänke aus der Jugend zum Besten. Man hört zu und debattiert, man lacht und streitet, man fühlt sich wohl und hat bis zur Sperrstunde stets etwas gelernt. Jaja, manchmal tratscht man auch und richtet den einen oder anderen Dummkopf aus, man kennt schließlich viele Leute.

Dass die Argumentationstrainer ihre Seminare nicht "gegen Ehrabschneidung, für Zivilcourage und Redlichkeit im menschlichen Umgang" anbieten, sondern explizit gegen "den Stammtisch", heißt schlicht: Was sie anderen vorwerfen, tun sie selber. Verallgemeinern. Ihr gefährlich gutgemeintes Anti-Stammtisch-Trommeln geht somit - artilleristisch gesprochen - nach hinten los: Unser Stammtisch, den sie da madig machen, wird ihnen die Stange höchstens halbherzig halten.


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