VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 22/06 vom 31.05.2006

In der letzten Ausgabe brachten wir ein kreatives Inserat der Hochschule für angewandte Kunst und deren Rektor. In der Zeit der Waldheimerregung blieb es nicht das einzige im Falter. Ein weiteres Inserat forderte trocken:

"Sehr geehrter Herr Dr. Waldheim! Sollten Sie entsprechend allen Erwartungen zum Bundespräsidenten gewählt werden, ersuchen wir Sie, bei Ihren dann unvermeidlichen Ansprachen die unvermeidliche Phrase "im Namen des österreichischen Volkes" mit dem Zusatz zu versehen: ,mit Ausnahme von:

Peter Lachnit

Julius Mende

Elisabeth Reichart

Lisl Ruzicka

Martina Schallamon

Reinhard Sieder

Karl Stuhlpfarrer

Autorengemeinschaft 7

(dazu gehören:

Verena Corazza

Andrea Ernst

Krista Federspiel

Kurt Langbein

Hans Weiss)'"

Herrliche Zeiten, in denen Leser öffentliche politische Witze machten und dafür auch noch bezahlten.

Die Redaktion blieb ihnen aber nichts schuldig. Selbst in Zeiten, da Patrioten auf Leserbriefseiten ihren Unmut darüber herausschrieen, Österreicher zu sein und zur allgemeinen Wahlenthaltung in Sachen Waldheim aufriefen, hatten die Falter-Macher noch anderes im Sinn. Das Editorial kündigte zum Beispiel an: "Ab Mai wird das HEFT um einen Bestandteil ärmer: Die Lokaltipps erscheinen in der vorliegenden Ausgabe zum letzten mal. Ab Mai wird der Falter um einen Bestandteil reicher: Eine monatlich erscheinende Beilage wird dann die Aggressionen aller auf sich ziehen, die unsere Lokalberichterstattung bereits jetzt versnobt, prätentiös und unkatholisch finden. Konsum ahoi! ist das Motto, unter dem wir unseren Puritanern eins reinwürgen." A.T.


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