PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Hintertupfing ist nicht Pfingsten

Stadtleben | aus FALTER 22/06 vom 31.05.2006

... Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen (...) und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer (...) auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder (...) Alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt (...) und begannen in fremden Sprachen zu reden (... ) wie der Geist es ihnen eingab ...

Apg 2,1-13 (1. Lesung an Pfingsten)

Die heutige Perikope zu Pfingsten ermutigt, macht frei, umarmt alle Menschen. Und die Volkspartei, die sich Pfingsten als verpflichtet bezeichnet, spielt Hintertupfing. Es gibt kein einziges Regierungsmitglied, das je ein helles, soziales Wort des Aufbruchs, der Freude und der Ermutigung sprach. Ich erinnere mich nur an Kanzler Schüssels Diktum, das Kapital sei scheu wie ein Reh. Statt dass die Regierung erklärt, jetzt zum Schluss unserer elenden Regierungszeit beschließen wir die Ehemöglichkeit für Lesben und Schwule, nein, nein, kein Mensch der Regierung geht hin und bereut. Sondern es sitzt der finstere Klüngel beisammen und hakt ab, worauf Hintertupfing warten könnte, damit nur alle finsteren Leute Volkspartei wählen. Die einzige helle Person erscheint mir die Justizministerin Gastinger, sie ist offen, reagiert menschlich, ihre Worte sind die verständlichsten der Regierung.

Selbst im interreligiösen Bereich gab es als Folge des großen Wiener Kardinals König eine wunderbare Atmosphäre der Freiheit. Und damit dort, wo kein Gfrett ist, auch noch schnell eines gebaut wird, geht die Innenministerin her und mahnt völlig überflüssig eine schlechte Atmosphäre zu den islamischen Menschen ein. Wenn, dann konnten wir doch immer stolz sein, dass in Österreich keinerlei Feindseligkeit zwischen den Religionen besteht, und dann saßen die Hintertupfinger Spinndirektorys beisammen und rechneten, da könnten noch Stimmen verloren gehen, und schickten die Innenministerin aus.

Wenn Leute in ein Land siedeln, sind sie doch die aufnahmebereitesten und glücklichsten. Sie tragen die Feuerzungen am Haupt. Natürlich hast du Angst, wenn Feuerzungen auf deinem Haupt brennen, aber sie brennen, und jede Trafik, die ein freundliches Wort verliert, lächelt, sich verbeugt, ist doch eine kleine Heimat. Und kein einziges Regierungsmitglied hatte all die sieben schrecklichen Jahre irgendein Herz, das es in die Bevölkerung bringt. Du brauchst keine großen Erklärungen oder schwachsinnigen Fragebögen zur Staatsbürgerschaft. In Deutschland zum Beispiel ist der Berliner Bürgermeister der hübscheste Schwule, die Regierungschefin also eine Frau, das merkt der Blindeste. Das wirkt auf die Jahre hin. Und wir in Österreich könnten doch damit signalisieren, dass die Mehrheit der Regierungsmitglieder weiblich ist, dass dies wunderbar ist. Das werden auch eventuell bedrängte Frauen im Islam in ihrem Herzen sich aufbewahren.

Ich glaube aber nicht, dass irgendwelche Hintertupfinger Beklemmungen durch sinistre Erklärungen der Innenministerin ihre Krämpfe sich entspannen spüren. Wenn aber der Kanzler den Gery Keszler umarmen würde, die Ehe für Schwule und Lesben deklarieren würde zum Abschied der elenden Regierung, wie würden wir weinen, was für eine Vorlage für ein nächstes, elend genuges Kabinett.

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