Hands up, Handke!

Mit den Österreichern und den Literaturpreisen ist es ein rechtes Gfrett: Die einen kriegen sie, wollen das aber gar nicht; und die anderen wollen zwar, sollen sie dann aber doch nicht kriegen. Sie habe darum gebetet, dass Peter Handke nicht wieder Blödsinn äußere, um sich nicht vollends um die Chancen auf den Literaturnobelpreis zu bringen, hatte Elfriede Jelinek erklärt, nachdem ihr der Nobelpreis zugesprochen worden war, den sie lieber in den Händen ihres Landsmannes gesehen hätte. Handke wiederum hatte vor drei Jahren mitteilen lassen, keine Preise mehr annehmen zu wollen, sich über die Zuerkennung des alle zwei Jahre von der Stadt Düsseldorf vergebenen Heine-Preises dann aber doch gefreut. Zuletzt ging dieser übrigens an Robert Gernhardt, der sich noch mit der Hälfte des erst unlängst auf 50.000 Euro verdoppelten Preisgeldes zufrieden geben musste.

Vorwort | Klaus Nüchtern | aus FALTER 23/06 vom 07.06.2006

KOMMENTAR Warum es trotzdem richtig und auch möglich wäre, Peter Handke den Heine-Preis doch noch zu verleihen.

Kaum war die Entscheidung der Jury gefallen, regte sich Empörung: zunächst über die Verleihung (der deutsche Schriftsteller Günter Kunert etwa kündigte an, den ihm vor 21 Jahren verliehenen Heine-Preis zurückgeben zu wollen, sollte er tatsächlich an diesen "Barden eines Diktators" gehen); hernach über die Ankündigung des Düsseldorfer Stadtrates, das Preisgeld nicht zur Verfügung zu stellen.

Warum der Heine-Preis ausgerechnet an Peter Handke gehen soll, ist in der Tat nicht ganz leicht zu verstehen. Die Jury versuchte es wie folgt zu begründen: "Eigensinnig wie Heinrich Heine verfolgt Peter Handke in seinem Werk seinen Weg zu einer offenen Wahrheit. Den poetischen Blick auf die Welt setzt er rücksichtslos gegen die veröffentlichte Meinung und deren Rituale."

Klingt gut und bedeutet gar nichts. Eigensinn als solcher ist, wie es Thomas Steinfeld in der Süddeutschen


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