STADTRÄTIN BRAUNERS KONTER

"Ein Altenheim ist kein Theater"

Politik | aus FALTER 23/06 vom 07.06.2006

Querköpfe haben es in der Wiener SPÖ nicht immer leicht. Einst musste Integrationsfonds-Chef Max Koch gehen, dann Stadtschulratspräsident Kurt Scholz. Jetzt fühlt sich Pflegeombudsmann Werner Vogt abserviert - wiewohl Gesundheitsstadträtin Renate Brauner dementiert, dass sie eine Strafaktion gegen einen lästigen Kritiker gestartet habe: "Vogt bemängelt immer, es gehe ihm alles zu langsam. Das werden Sie von mir auch hören."

Vogt selbst habe verlangt, seine Pflegeombudsstelle als weisungsfreie Instanz gesetzlich abzusichern, sagt Brauner. Um Doppelgleisigkeiten zu vermeiden, habe sich da die Zusammenlegung mit der Patientenanwaltschaft angeboten. Die Leitung wird neu ausgeschrieben, Vogt kommt ziemlich sicher nicht infrage. Brauner hätte die Kompetenzen zwar auch zwischen zwei Institutionen aufteilen können, "doch dann hätte ich dem Patientenanwalt viele Aufgaben abräumen müssen". Aber funktioniert die alte Ombudsstelle nicht gerade wegen ihres aufmüpfigen Chefs so gut? "Ich kann Gesetze nicht um Einzelpersonen herum basteln", sagt Brauner.

Vogts Kritik nimmt die Stadträtin sportlich: "Natürlich lasse ich mir nicht gerne politische Unintelligenz unterstellen, aber Vogt sprach wohl aus einer Emotion heraus." Dass die Stadt eine Kampagne für ehrenamtliche Pfleger versprochen, aber nicht umgesetzt habe, sei falsch: "Wir haben Inserate geschalten und Folder gedruckt. Vogt wünscht sich halt Riesenplakate - aber das war finanziell nicht drinnen." Und zum Vorwurf, dass antiquierte Pflegestätten nur schleppend modernisiert würden: "Auch das ist sehr teuer, weil wir währenddessen die Versorgung der Bewohner aufrechterhalten müssen. Ein Altenheim ist kein Theater, das für den Umbau spielfrei hat und seine Belegschaft auf Bundesländertournee schickt."


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