KNECHT

Ich muss brutal einseitig sein

Politik | Doris Knecht | aus FALTER 23/06 vom 07.06.2006

Seit Tagen esse ich praktisch nur Salat und muss mir dann von einem Chefredakteur sagen lassen, ich wär ganz schön viel. Wie, viel?, sagst du mir grad, ich sei fett? Der Chefredakteur kriegt ganz rote Bäckchen und stammelt, neinein, nicht fett, eher so: präsent, also in einem total positiven Sinn! Präsent, super. Aber positiv ist gut, denn ein anderer Chefredakteur, der kürzlich vom Obezahra-Journalismus zur Verbreitung bunter Botschaften überlief, sagte mir eben, ich solle nicht immer so verdammt negativ sein, negativ sei als Haltung total last season, nur good news seien heute good news. Später meint ein weiterer Chefredakteur, ich solle bitte meine Einstellung gegenüber Hunden überdenken, der soziale Aspekt vor allem. Ich hebe zu einer Erklärung an, dass ich privat eh nicht so unerbittlich bin, sondern, wenn es die Situation erfordert, schon fast widerwärtig kompromissbereit, aber professionell muss ich halt repräsentativ für alle Individualquerulanten gemein und brutal


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