Viel zu früh

Medien | aus FALTER 23/06 vom 07.06.2006

KLAUS ZELLHOFER (1967-2006) Er war Journalist, Pressesprecher, "Falter"-Redakteur, ein politischer Mensch und feiner Kollege.

Bei manchen Menschen vergisst man das erste Treffen nie. Der junge Mann hatte mich eingeladen, bei seiner katholischen Verbindung über Medien zu diskutieren. Ich wusste zwar, dass die Academia unter den Verbindungen als liberal galt, kannte die Tradition der Querdenker in dieser Verbindung, war aber trotzdem auf eher engstirnige Käppiträger gefasst. Wer war Anfang der Neunzigerjahre noch bei einer Verbindung? Klaus Zellhofer zum Beispiel, der mich mit roten Ohren auf der Strozzigasse empfing und mir das verschwörerische Gefühl gab, mich als intellektuellen Sprengstoff bei seiner Mannschaft einzuschleusen; es handelte sich dann um ein knappes Dutzend recht interessierter Biertrinker.

Mir gefiel die Neugier und das Engagement dieses Kerls. Später schleuste er sich bei meiner Mannschaft ein, was mir gefiel, weil es den Falter noch etwas schwerer ausrechenbar machte. Und weil es die journalistische Qualität des Blattes hob. Klaus Zellhofer war ein recherchierender Journalist, im Unterschied zu manchen Kollegen dieser Spezies war er kein bisschen schwierig. Die muffigen und reaktionären Winkel der österreichischen Gesellschaft waren sein Jagdgebiet, also wurde ihm nie langweilig.

Nach seinen Falter-Jahren wechselte er als Gründungsredakteur zum Magazin Format, um dann noch einmal eine überraschende Wendung zu nehmen: Er ging als Pressesprecher zu den Wiener Grünen. Auch als Außenstehender nahm man den folgenden Qualitätssprung in deren Öffentlichkeitsarbeit wahr. Welche Überraschungen er noch für uns bereitgehabt hätte, werden wir nicht mehr erfahren. Letzten Montag ist Klaus Zellhofer, völlig überraschend und viel zu früh, im Alter von 39 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. A. T.


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