KUNST KURZ

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 23/06 vom 07.06.2006

Die Monumentalisierung des Banalen gehört zu den grundlegenden Verfahren der Pop-Art. Während aber Künstler wie Robert Rauschenberg oder Andy Warhol an den Insignien einer anonymen Massenkultur interessiert waren, bläst der Wiener Maler Stefan Sandner ganz persönliche Alltagsschnipsel auf. Bei seinen übermannsgroßen neuen Bildern in der Secession (bis 25.6.) kann eine skizzierte Wegbeschreibung ebenso zur Malvorlage werden wie die gekritzelte Nachricht eines Nachbarn. Sandner geht dabei jedoch keinesfalls wahllos vor: Was aus dem eigenen Umfeld aufgepickt wird, spielt dezent auf die Netzwerke des Kunstbetriebs an (Adresse einer Kuratorin) oder auf Heldenverehrung und Authentizität in der Kultur (Notizen aus den Tagebüchern Kurt Cobains). Einige der Gemälde machen die endlosen Arbeitsschritte sichtbar, die kreativen Produkten vorangehen - hintersinnigerweise auch an einem stark ausgebesserten Text über die eigene Malerei. Ins Auge stechen bei der Ausstellung also vor allem die unterschiedlichen Handschriften, die mal als lesbarer Text, mal als Bild funktionieren. Der Künstler benützt deren expressiven Gehalt, um mit dem eigenen Ausdruck zu sparen und auf konzeptueller Distanz zu bleiben. Kommt die Handschrift des Künstlers eigentlich auch irgendwo vor? Vielleicht in dem prächtigen "JEIN!", das eine Leinwand ziert. Aber ein Pinsel ist schließlich kein Schreibgerät.

Auch im Kaminzimmer der Secession hängen viele bunte Bilder. So nett dieser von Kristina Leko eingerichtete Salon auch wirken mag, die Idee dahinter ist schwer verdaulich: Die Hälfte der Arbeiten haben Arbeitslose bei einem Workshop mit der Künstlerin gemalt, der Rest stammt aus den Kunstsammlungen der Freunde der Secession. Soziale Skulptur auf Kindergartenniveau. Und wenn es dann noch heißt, "man erkennt gar nicht, was vom Künstler und was vom Laien stammt", dann fragt man sich wirklich, auf welchem Planeten Leko die Neunzigerjahre verbracht hat.


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