Stadtleben

Stadtleben | aus FALTER 23/06 vom 07.06.2006

Sex

Libidoblocker Jeder kennt sie, keiner hat sie je gesehen: diese realitätsanschiebenden Tarotsendungen im Fernsehen. Da bekommt der 46-jährige Ritschi aus Wien gerade gesagt, dass er ab Mitte Juli wieder zum erotischen Zug kommt - überraschenderweise der Zeitraum gleich nach dem WM-Finale. Ritschi lungert also ab jetzt beruhigt und ungefordert, daher unhöflich, unsensibel, womöglich ungewaschen (mehr Negativklischees über Junggesellen wollen mir jetzt auf die Schnelle nicht einfallen) in seinem alten TV-Sessel rum, um sich dann ab 10. Juli ein paar Manieren, eine neue Couch und den einen oder anderen Sexappeal anzueignen. Ich muss mich mit jener ahnungslosen Fremden, um die es dann gehen wird, solidarisieren. Am besten stelle ich das an, indem ich jede vorausgesagterweise dunkelhaarige Frau, die mir einsam und/oder notgeil vorkommt, anspringe und "Im Fernsehen haben sie gesagt, nach der WM bist du wieder attraktiv" blöke. Ich denke, das wird sehr gut ankommen, und die Frauen bedanken sich dann auch recht herzlich bei mir. Und der Ritschi, der faule, wird sich wundern, wenn eines Tages eine Unbekannte aus dem Nichts tritt und sagt: "Jetzt nimmer, du Oasch!" HEIDI LIST

Fussball

Fußballfreie Zeit Der Schriftsteller Egyd Gstättner hat in seiner Presse-Kolumne vor Monaten auf einen Umstand hingewiesen, der im Rummel um die bevorstehende WM-Endrunde gern übersehen wird: Nie wird so wenig Fußball gespielt wie während einer Weltmeisterschaft. Vier Wochen lang finden weltweit nur zwei, maximal drei Bewerbsspiele statt. An drei Tagen Anfang Juli, wenn die Semifinali und das Finale ausgetragen werden, steht überhaupt nur ein einziges Spiel auf dem Programm. Auf der ganzen Welt! (Das gilt möglicherweise auch für unbekannte Planeten, falls es dort Leben und Satellitenfernsehen geben sollte.) Freuen wir uns also auf vier beinahe fußballfreie Wochen. WOLFGANG KRALICEK


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