Fragen Sie Frau Andrea

Bläukunde

Stadtleben | aus FALTER 23/06 vom 07.06.2006

Liebe Frau Andrea,

kürzlich ist mir das Wort "einbläuen" sauer aufgestoßen. Vermute ich richtig, dass das Verb seine Abstammung von der verabscheuenswürdigen pädagogischen Praxis herleitet, andere durch wiederholte Gewaltanwendung (und die damit verbundene Zufügung blauer Flecken) in einer Art Pawlow'schen Angstreaktion zu einem bestimmten Verhalten zu zwingen? Oder hat das Verb doch etwas mit Indigo zu tun? Danke für die Aufklärung,

Thomas Narosy, Internet

Lieber Thomas,

das "Einbläuen" hat wenig mit der Farbe jener Flecken zu tun, die körperliche Züchtigung hinterlässt. Es schriebe sich richtigerweise "einbleuen", kommt es doch vom archaischen germanischen Verb "bleuen", das überraschenderweise genau das heißt, was es bedeutet - "schlagen" nämlich. Eine Ableitung davon ist Bleuel, was so viel wie Keule oder Schlegel meint und das jedem Automechaniker als Pleuelstange ein Begriff sein dürfte. Mit Indigo hat das Bleuen auch nichts zu tun. Auch wenn eingebläute Augen indignierte Blicke werfen, kommt das eine aus Indien, das andere von indignus, unwürdig. Eine andere Form des Einbläuens hatte während der ersten Regierung Schüssel hohe Konjunktur. Damals wurden zahlreiche Institutionen und Gremien, Ministerien und Institute eingebläut. Der Einbläuung stand das Entröten und das Einschwärzen entgegen, das in ungleich größerem Umfang und mit höherstehender Systematik betrieben wurde. Das Einbläuen nennt man heute Orangefärben, Orangieren oder ganz modern: Bezettöhlistewestenthalerisieren.


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