VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 24/06 vom 14.06.2006

Waldheim, immer nur Waldheim. Das Jahr 1986 war, trotz Tschernobyl (und vor Haiders Machtübernahme in der FPÖ) ein reines Waldheimjahr. Politisch gesehen, zumindest. Folgerichtig war der Politikteil des Falter vor der entscheidenden Stichwahl zwischen Kurt Waldheim (ÖVP) und Kurt Steyrer (SPÖ) voller nützlicher Entscheidungshilfen. Die etwas rätselhafte Schlagzeile "Wir sind wild auf Waldheim mild" bezog sich auf ein Abführmittel, dessen Existenz Felix Ruf (exakt, der Schachonkel) entdeckt hatte. Der Falter druckte als "Dokument" die Gebrauchsanweisung der "hellgrünen Dragees" ab, allerdings so verkleinert, dass nur Falkenaugen mithilfe einer Lupe sie zu lesen vermocht hätten. Es gab übrigens auch Waldheim forte, diese Pillen waren passenderweise schwarz. Im Text jedenfalls ging es hauptsächlich um folgende Frage: "Sie leiden an Obstipation (Stuhlverstopfung)? Leugnen Sie nicht! Verdrängen Sie nicht - es geht Ihnen wie hunderttausend anderen Österreichern. Kaufen Sie eine Packung Waldheim mild und bewältigen Sie Ihr verdrängtes Stück Vergangenheit im Nu."

Natürlich gab es auch konventionellere politische Prosa. Zum Beispiel drei kommentierende Plädoyers. Paul Blau, Ehemann der im ersten Wahlgang gescheiterten Freda Meißner-Blau, und Werner Vogt plädierten beide fürs Weißwählen. Silvio Lehmann hingegen fragte: "Wer wird erschauern unter der wuchtigen Wirkung von zwei oder drei Prozent weißer Stimmzettel? Richtig - wir selber." A.T.


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