KUNST KURZ

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 24/06 vom 14.06.2006

Was haben Künstler im 20. Jahrhundert nicht alles unternommen, um Zeit und Bewegung in ihre Plastiken zu kriegen. Angefangen bei den kinetischen Licht-und Raummaschinen der Zwanzigerjahre bis hin zu Dieter Roths Skulpturen aus Käse oder Schokolade, die geplant verschimmelten, wurden unzählige Transformationsmöglichkeiten durchgespielt. Auch Klaus Mosettig gesellt sich mit seiner Arbeit "Processual minimalism" zu den Verfechtern des veränderlichen Kunstwerks. Im Rahmen der von der Möbelfirma Wittmann initiierten und gesponserten Kunstreihe "4Viertel Kunst" platziert Mosettig in den Wittmann-Schauraum am Karlsplatz einen Plexiglaskörper mit durch Röhren verbundenen Kammern. Darin wieselt das "Team" des 1975 geborenen Künstlers: Mehrere tausend Ameisen laufen Tag und Nacht durch das transparente Behältnis und verwandeln es in eine konstante Baustelle. Mosettigs Skulptur funktioniert auch deswegen gut, weil sie in der Shopsituation von luxuriösen Ledermöbeln umgeben ist und die Glaskuben oben offen sind. Die Ameisen können jedoch nicht fliehen, und so blickt man einem voyeuristischen Gott gleich in die unfreiwillig geöffneten Wohn-und Lagerräume dieser unruhigen Sozietät. Wenn die ephemeren Hügelbauten am 9. September endgültig verschwinden, bleiben nur Dokumentarfotos zurück. Mosettig wird seinen Gestaltungsdrang dann erfolgreich durch andere "Autoren" befriedigt haben.

Die Aliens des Schweizers HR Giger sind nur an der Seite von Sigourney Weaver erträglich. Das beweist die Schau, die das Kunsthaus Wien (bis 1.10.) dem durch Hollywood berühmt gewordenen Künstler widmet. Gewiss, dieser Mann hat mit seinen "biomechanischen" Wirbelsäulenmonstern das Genre bereichert. Gigers Bronzen und Möbel können aber nur unter Gothic-Kitsch laufen und seine Airbrushbilder zeigen außer Handwerklichkeit keinerlei Anspruch oder Entwicklung, dafür aber einen extra widerlichen Sexismus, etwa in der "Todgebärmaschine" oder den späten Sci-Fi-Gruppensexszenen.


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