Strenge ohne Dogma

Kultur | Carsten Fastner | aus FALTER 24/06 vom 14.06.2006

GYÖRGY LIGETI (1923-2006) Vergangenen Montag ist der letzte große klassische Komponist des 20. Jahrhunderts in Wien gestorben.

Unter den Nazis und den Kommunisten hatte ich ein Leben voller Risiken. Wichtig war das für mich nicht. Aber so habe ich gelebt." Über Biografisches, Persönliches gar, sprach György Ligeti ungern. Inwiefern das eigene, gefahrenreiche Leben seine Musik beeinflusst habe, mochte er nicht näher erläutern. Nur so viel deutete er beim letzten Interview, das er dem Falter im Oktober 2003 gab, an: "Das Gefühl der Gefährdung bleibt." Und er schloss zumindest nicht aus, dass sich dieses Gefühl der Gefährdung in künstlerischer Radikalität niederschlage.

Künstlerisch radikal war Ligeti vor allem in seinem kompromisslosen Individualismus, mit dem sich der am 28. Mai 1923 im siebenbürgischen Dicsöszentmárton/Tarnaveni Geborene zeit seines Lebens abseits aller ästhetischen Moden und Schulen stellte. Jeder Dogmatismus, jeder Absolutismus sei ihm zuwider, erklärte


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