Museum der Sehnsucht

Kultur | Carsten Fastner | aus FALTER 24/06 vom 14.06.2006

FESTWOCHEN In "Eraritjaritjaka" macht der Komponist Heiner Goebbels Theater mit Musik und sorgt für eine große Überraschung. Vor der Wiener Premiere hat der "Falter" bereits eine Aufführung in Chambéry besucht.

Auf dem Boden ein weißes Quadrat aus grellem Licht, unmittelbar dahinter ein Herr im besten Alter, mit Anzug und Wollweste offiziös und heimelig zugleich gekleidet, die missmutige Laune im Gesicht von einer dicken Hornbrille nur notdürftig kaschiert. Der Mann beginnt sich zu drehen, stets auf den Lichtfleck deutend, der ihm folgt, als sei er ein Teil seines Körpers. "Er mag Sätze einzeln, Sätze für sich, man kann sie in der Hand herumdrehen, man kann sie beuteln, man kann sie würgen", sagt der Mann und gibt mit diesem Zitat von Elias Canetti das Motto des Abends vor.

In den folgenden knapp neunzig Minuten wird er einzelne Sätze, manchmal auch zwei oder drei aus den Werken des weit gereisten Dichters drehen, beuteln, würgen. Es wird mitunter sein, als spräche er nicht


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