Fragen Sie Frau Andrea

Kaisers Maria

Stadtleben | aus FALTER 24/06 vom 14.06.2006

Liebe Frau Andrea,

irgendetwas stört mich an folgendem Schlagerrefrain von Roland Kaiser, der mir noch aus meiner Kindheit im Ohr klingt: "... Santa Maria, nachts an deinen schneeweißen Stränden / hielt ich ihre Jugend in den Händen, / Glück, für das man keinen Namen kennt ..." Ich kann nicht genau sagen, was das Verstörende ist, vielleicht können Sie mir da weiterhelfen!

Liebe Grüße,

Evelyn Fürlinger

Liebe Evelyn,

gleich in der ersten Strophe stolpern wir über eine gewisse Santa Maria. Sie könnte die Jungfrau Maria sein (eine bizarre Vorstellung), auf jeden Fall eine Dame namens Maria. Diese muss einflussreich sein, weil sie schneeweiße Strände besitzt. Nun ahnen Exegeten, dass Santa Maria ein Ort sein muss oder eine Insel, denn die beiden Strophen davor gehen so: "Santa Maria, Insel, die aus Träumen geboren, / ich hab meine Sinne verloren, in dem Fieber, das wie Feuer brennt." Der Name Maria, egal, ob heilig, insular oder im Feuerfieber verkohlt, lässt uns an eine Person denken, weswegen wir die Textentwicklung "hielt ich deine Jugend in den Händen" erwarten. Stattdessen wird aber "ihre Jugend" gehandhalten. Wir vermuten also insgeheim zwei Frauen, die Strandbesitzerin und eine Jugendausüberin, die der Herr Glücksempfinder in Händen hält. Dass das unbenennbar sein soll, ist zumindest diskussionswürdig. Unscharf ist die Wendung, für Glück keinen "Namen", zu haben, allemal. Für Gefühle gibt es Wörter und Ausdrücke, selbst wenn sie das Fieber verbrannt haben sollte.


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