Peter Esterházy

888 Seiten Literatur, 120 Seiten Beine

Erich Klein | Kultur | aus FALTER 25/06 vom 21.06.2006

Das Buch ist ein Monster. Wer auf Seite 746 der "Einführung in die schöne Literatur" bei der Geburt seines Protagonisten Peter Esterházy angelangt ist, hat das meiste schon überstanden. Eine ausgedehnte Regenfront rückt am 14. April 1950 nach Mitteleuropa vor, in Nagykörös werden Gurken ausgesät, der Wasserspiegel der Donau, der in Wien 239 Zentimeter beträgt, steigt in Budapest noch an, in der Buslinie Nummer 5 hat jemand eine Tasche samt Lederschuhen verloren, die Ungarn schreien "Hoch Rakosi!", und während im befreundeten sozialistischen Tadschikistan der Sommer beginnt, zieht sich ein gewisser Sava in einer Budapester Gasfabrik einen Meniskusriss zu. Schließlich ist es auch mit Esterházy so weit: "Am 14. April war der Muttermund genügend weit, die Fruchtblase gesprungen, das Fruchtwasser begann zu strömen, die Sonne ging um 18 Uhr 02 unter." Die noch folgenden 142 Seiten - inklusive der Drohung, "später werde ich über alles genauer schreiben" - können dann auch nicht

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