Nippel gegen Hitler

Joachim Schätz | Kultur | aus FALTER 25/06 vom 21.06.2006

FILM "Lady Henderson präsentiert" erzählt vom kriegswichtigen Einsatz englischer Striptease-Shows.

Was tut eine Dame der feinen Gesellschaft, die soeben verwitwet ist und sich schrecklich langweilt? Lady Laura Henderson (Dame Judi Dench) kauft ein leer stehendes Theatergebäude, veranstaltet dort Revuen und setzt bei der ersten ökonomischen Krise des Hauses die Idee durch, nackte Frauen ins Programm einzubauen - eine Sensation im London der Dreißigerjahre. Wieso die resolute Witwe das alles tut, bleibt lange rätselhaft, und die umständliche psychologische Deutung, die der Film am Ende parat hat, macht ihre Wandlung zur libertären Theatermäzenin auch nicht viel plausibler.

"Lady Henderson präsentiert" zeigt wahre Ereignisse (ihr Windmill Theatre war noch bis in die frühen Sechziger eine Londoner Institution), ist von diesen aber so überfordert, dass der Film abwechselnd ins Sentiment und ins Ver-und Entkleidungslustspiel flüchtet - also insgesamt in die "berührende, niveauvolle"

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