STREIFENWEISE

Kultur | Michael Omasta, Maya Mckechneay | aus FALTER 25/06 vom 21.06.2006

Pierre und Géraldine sind elf Jahre verheiratet, doch zur Vervollkommnung des Eheglücks fehlt noch ein Kind. Mit semidokumentarischem Blick schildert "Holy Lola" von Bertrand Tavernier die Bemühungen des Paares, in Phnom-Penh ein kambodschanisches Waisenkind zu adoptieren; ein Unterfangen, in dessen Verlauf es die Eheleute mit Korruption und Vorurteilen zu tun bekommen und das sie an die äußersten Grenzen ihrer eigenen Leidens-und Beziehungsfähigkeit stößt. Durchaus gelungen ist die Beschreibung der eigenartigen Rituale in der französischen Community vor Ort, wo sich alles nur mehr um Wunschkinder zu drehen scheint. Dass die kafkaesken Verhältnisse in Ämtern und Spitälern noch auf Zeiten des Kolonialismus zurückgehen, wird immer nur angedeutet; dafür macht Tavernier die Amerikaner und Kanadier, die mit ihren Dollars den Babymarkt ruinieren, umso deutlicher als Hauptschuldige an der Misere des Landes aus. Die mit Abstand stärkste Szene dieses überlangen Melodrams ereignet


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