STADTRAND

Inquisition Herrmann

Stadtleben | aus FALTER 25/06 vom 21.06.2006

Im Liegestuhl mit Bier, Schulter an Schulter mit gleichgesinnt Grölenden. Am Bildschirm die weltbesten Fußballer. So lässt sich die städtische Sommerhitze aushalten. Dass Freiluftfußballschauen prinzipiell ur-super ist, haben die Gastronomen am Donaukanal überrissen. Nur scheint es mitunter, als wollten sie den Draußensitzern den Spaß verderben. In der sonst nicht unsympathischen Adria Wien bei der Salztorbrücke terrorisieren Livekommentatoren das Publikum. Und die Betreiber der Strandbar Herrmann wollen sich offenbar für alle Regentage der vergangenen wie der kommenden Jahre sanieren. Letzte Woche umzäunte man das Gelände. Seither filzen Securitymenschen am Eingang die Fußballfreunde, damit sich keiner aus mitgebrachter Bier-oder Wasserflasche laben kann. Im Zehnminutentakt durchstreifen Konsumationsspitzel die Reihen der Liegestühle: "He, woher hast du diese Bierdose? Das ist verboten." Gier ist kein schöner Charakterzug. Bei Herrmann, wo sie sich zu lahmem Service und warmem Bier gesellt, ist sie besonders schiach. Dann doch lieber die halblustigen Dazuredner an der Wiener Adria. M.G.B.


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