Fragen Sie Frau Andrea

Tausendsassa

Stadtleben | aus FALTER 25/06 vom 21.06.2006

Liebe Frau Andrea,

neulich nannte mich eine liebe Bekannte einen "Tausendsassa". Was meinte sie damit? Wieso "Tausend"? Wieso "Sassa"? Soll ich mich geschmeichelt fühlen oder den Beleidigten spielen? Und gibt es auch Sassas mit anderem Kontostand?

Liebe Grüße aus Hamburg,

Bernhard Ullrach

Lieber Bernhard,

sie dürfen getrost das Banner des Geschmeichelten hissen. Mit dem großzähligen Wort Tausendsassa wird gemeinhin ein vielseitiger, begabter und geschickter Mensch bezeichnet. Die Übertreibung dieser Geschicklichkeit darf durchaus auch als Leichtsinn und Draufgängertum interpretiert werden, weswegen ich zur Mitnahme eines kleinen Schnoferl-Fähnchens riete. Der Begriff selbst ist die Substantivierung des Ausdrucks "tausend! sa! sa!", einem aufmunternden Lockruf für Jagdhunde, der im Zusammenhang mit häuslichen Hoppereiterspielen schon mal zu "hopp! sa! sa!" - Hoppsassa werden konnte. Das mittelhochdeutsche za, zaza kommt wohl vom französischen ça, çaça - hier(her). Nicht weit weg vom Tausendsassa ist der Hundertwasser. So nannte sich Friedrich, der Wiener Maler und Nachfahre des Altphilologen und Lateinlexikografen Joseph Maria Stowasser, in duftiger Übersetzung seines Nachnamens. Heißt doch "Sto" in den meisten slawischen Sprachen "Hundert". Dass sich Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser auch als Tausendsassa begriffen hat, wollen wir mal vermuten.


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